Wir wissen, dass die Perspektive viel mehr als ein kunsthistorisches Darstellungsdetail ist. Es ist eine Frage der Weltanschauung. Alexandra Pace ist eine Künstlerin und Kuratorin mit einer multidisziplinären Praxis. Ihre neuere photographische Arbeit konzentriert sich auf Fragen der Künstlichkeit und Repräsentation in der Fotografie. Viele von ihnen sind eindrucksvolle Schwarzweißfotos, die mit Hilfe fragmentarischer Einzelteile aus Bild und Text einen Fantasieraum eröffnen. Denn obwohl sie normalerweise geschlossene Innenräume zeigen, sind sie keineswegs geschlossene Kompositionen. Sie sind in der Tat das Gegenteil: offene Kompositionen, die nur Teile der gesamten Szene enthalten und auf ein undefiniertes, aber wichtiges Äußeres hinweisen. Um sie zu lesen, ist es notwendig, die Szene selbst und die fehlenden Teile zu ergänzen.


Pace wählte ihren Beitrag zu Flagge zeigen mit Blick auf die letzten Wochen, als die meisten europäischen Länder ihre Grenzen geöffnet und Reisebeschränkungen aufgehoben haben, wohingegen die Stimmung der Menschen gelinde gesagt, gemischt bleibt. Mit einer Kombination aus Hoffnung und Angst treten wir vorsichtig in diese unbekannte post-pandemische Realität ein. Während beide Bilder Alexandra Paces von der „freien Natur“ handeln oder zumindest Dinge zeigen, die von der Natur geschaffen wurden, vermitteln sie gleichzeitig ein Gefühl von Abgeschlossenheit und einem Mangel an natürlichem Tageslicht. Letztlich handeln sie vom Eingreifen des Menschen in die Natur und erinnern an die gegenseitige Abhängigkeit im Zeitalter des Anthroprozäns.

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