Nut

DAIGA GRANTINA / LVA

*1985, lebt und arbeitet in Paris und Riga

2019, als Daiga Grantina ihr Land auf der Biennale in Venedig vertrat, gab sie ihrer Ausstellung im lettischen Pavillon den Titel „Saules Suns“. Im Zentrum standen mehrere Sonnen in Form von Lichtquellen in einer vielschichtigen skulpturalen Landschaft. Der Beitrag wurde als eine kosmologische Szene beschrieben. Sein Spektrum beschwor jedoch nicht in erster Linie jenseitige Welten, sondern funktionierte als eine Übung erweiterten Sehens.


Daiga Grantina schafft in der Regel großformatige skulpturale Assemblagen, sich der natürlichen Welt annähern und oft Terrarien und Vegetation ähneln. Sie verwendet eine breite Palette alltäglicher Materialien, von synthetischen bis zu organischen, oft invertierend und über die Grenzen ihrer traditionellen Verwendung hinaus eingesetzt. Das Offenlegen sowohl der körperlichen als auch der immateriellen Eigenschaften von Substanzen steht im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ausgehend vom Biomorphismus bezieht die Künstlerin organische und anorganische Formen und Materialien in ihre Arbeiten ein, wodurch eine neue Art sensorischer Wahrnehmung entsteht, die die Grenzen zwischen Kunstwerk und Betrachter, der natürlichen, spirituellen und sozialen Welt neu verhandelt. Daiga Grantinas Faszination für Licht spielt dabei häufig eine große Rolle. Ihre Arbeiten sind oft halbtransparent. Sie leuchten oder reflektieren Lichtquellen. Auf diese Weise entsteht eine Art Barockraum: eine Mythologie künstlicher Materialien, deren Trompe-l'oeil-Effekt das Auge auf sich zieht und durch den Raum führt und die gesamte Umgebung in einen Rhythmus aus Licht, Volumen und Körpern eintaucht.


Ihr Beitrag zu Flagge zeigen bezieht sich auf altägyptische Mythologien. Passend für ein Objekt, das seinen Platz hoch in der Luft hat, verweist Grantinas Flagge auf die Figur der Nut, der Göttin des Himmels und Mutter der Sterne. Man stellte sich vor, dass die Sonne abends in ihrem Mund verschwand, nachts durch ihren Körper wanderte und morgens im Osten aus ihrem Schoß wiederauftauchte. Im selben ewigen Kreislauf wanderten tagsüber die Sterne durch ihren Körper. Die Künstlerin orientierte sich an dem schützend über die Erde gewölbten Körper der Göttin und überlagert ihn in einem klassischen graphischen Verfahren mit den Steinabrieb von einfachen Pflastersteinen, wodurch eine zweite optische Schleife gebildet wurde, die den Körper der Göttin widerspiegelt. Die Pflastersteine ​​konfigurieren sich nun wie die Sterne unter dem Nachthimmel.

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