Mobility Flag 1, Mobility Flag 2

DANIEL KNORR / ROU

*1968, lebt und arbeitet in Berlin

Zwar behauptet Daniel Knorr, dass es politische Kunst gar nicht gäbe, seine Arbeiten reagieren trotzdem überaus sensible auf den Zustand der Welt. So liess Knorr 2017 zur Documenta 14 weißen Rauch aus dem Kasseler Zwehrenturm, einem Überbleibsel der Stadtbefestigung, aufsteigen, was ebenso an aktuelle Kriege wie an Bücherverbrennungen 1933 vor dem Fridericianum denken lies. Wie in allen seinen Arbeiten schwingt hier gleichzeitig Witz und Ernsthaftigkeit mit. Knorrs Arbeiten schweben meist in einem trügerischen „Zwischen-Raum“, in dem die vermeintlich stabilen Konnotationen von Dingen, Orten, historischen Fakten und Identifikationen völlig neue Bedeutungen bekommen können. 2005 vertrat Knorr sein Land auf der Venedig Biennale und zeigte einen leeren Pavillon. Seine Werke erscheinen in vielerlei Form: in Galerien und öffentlichen Räumen, als Text, Zeitung, Werbung, ja, sogar als Gespräch und nun als Fahne.


Für das Freilich am See hat er die beiden Fahnen Mobility Flag 1 und Mobility Flag 2 gemacht. Beide sind aus Umzugsdecken hergestellt. Diese sind wie üblich aus recycelten Textilien hergestellt. Höchstwahrscheinlich war die eine oder andere Fahnen darunter, ganz sicher waren die allermeisten wiederverwendeten Stoffe farbig. Die Mobility Flags mit ihrer einheitlichen und „grundlegenden“ Form und einer Farbe, die uns überall umgibt, die wir aber gewöhnlich ignorieren, ist das Amalgam aller chromatischen Möglichkeiten. Mehr noch – die Mischung der Farben durchdringt sie sogar physisch. Beide Fahnen unterscheiden sich nur geringfügig in ihrer grauen oder braunen Tönung. Keineswegs ist damit ein trister Geisteszustand gemeint. Vielmehr symbolisieren sie den „Umzug“ und stellen einen Neuanfangs dar. Darüber hinaus eröffnet das Material durch seine Ähnlichkeit mit Filz eine parallele Bedeutungsebene zur Kunst und bezieht sich unmittelbar auf die Arbeit von Joseph Beuys, der Filz als Isolator verstand, durch den Wärmeenergie gespeichert werden kann. Dieser wiederum fungiert als Katalysator für Kreativität, die Voraussetzung für die gesellschaftlichen und geistigen Entwicklungsprozesse des Menschen. Übrigens, der von Knorr für seine Fahnen verwendete industrielle Stoff aus der Umzugsindustrie wurde von Beuys übrigens als DDR Filz bezeichnet.

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