Monuments to Loneliness and Neglect

DECLAN CLARKE / IRL

*1974, lebt und arbeitet in Berlin

Denkmäler der Einsamkeit und Vernachlässigung vereint die Nationalflaggen von mehreren europäischen Ländern, die heute von der Landkarte verschwunden sind. Die Dauer ihrer Existenz reicht von 394 Jahren bis zu einem einzigen kurzen Monat und lag im Zeitraum von 1440 bis 1992. Für Flagge zeigen hat Clarke fünf Fahnen ausgesucht, die ehemals die norditalienische Republik Cospaia, den Kretischen Staat, die Kubaner Volksrepublik, die Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik und die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien repräsentierten.


Ein politischer Künstler war Clarke in seinen Arbeiten schon immer. Ein Mann für den realistischen Blick auf das hier und jetzt, aber einer großen Begeisterung für Revolutionen und Utopien. So betrieb er nach seinem Umzug die Annäherung an seine neue Heimat Berlin mittels der filmischen Untersuchung der Einsamkeit in Westdeutschland, und recherchierte dafür die Bewegung 2. Juni, die nach dem Todestag von Benno Ohnesorg benannt war, der 1967 in West-Berlin erschossen wurde und die in den 1970er Jahren in Westdeutschland links-revolutionär begründete Terroranschläge verübte. Dass der Künstler ausgerechnet über Attentate, Bombenanschläge und Entführungen seine neue Heimat zu begreifen versuchte, ergibt sofort Sinn, wenn man bedenkt, dass er aus einem Land stammt, in dessen DNA der Bürger- und Partisanenkrieg tief eingeschrieben ist und das noch heute geteilt ist. Man ahnt eine gewisse Sympathie für innerlich zerrissene Nationen und solche im Zustand der Krise und spürt die Melancholie des Künstlers angesichts von Staatsversagen und dem Kollaps ganzer Nationen.

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