Chickens

JUAN PÉREZ AGIRREGOIKOA

/ ESP

*1963, lebt und arbeitet in Paris

Juan Pérez Agirregoikoa ist Spanier baskischer Herkunft und lebt seit vielen Jahren in Paris. Seine scharfzüngigen Kommentare zum Zustand von Gesellschaft und Politik sind politisch meist wenig korrekt. Diese eigenartige Groucho-Marx-Haltung zur Kunst und zur Welt findet in der Regel ihren Ausdruck in leuchtend bunten Aquarellen mit grausigen Szenen aus Zeitungsberichten und Bildern umstrittener internationaler Politiker an der Seite bizarr deformierter Showbiz-Größen. Daneben entstehen großformatige Banner und Flaggen. In beiden zeigt sich eine ungewöhnlich nüchterne Haltung gegenüber Pathos und jedweder Vorstellung von Größe und Erhabenheit, die auch seinem Entwurf für Flagge zeigen deutlich erkennen lässt. Wo er sonst die Ikonographie medialer Übertreibung im Zusammenhang mit politischen Ereignissen karikiert, ist es diesmal ein Turm aus Adlern, die dicht gestaffelt mehr über- als hintereinander ein heraldisches Chaos erzeugen. Die Adler – Symbole (männlicher) Stärke - benehmen sich im Grunde nicht anders als ein Haufen drängelnder Fans beim Sport oder Konzert. Kommt die Fahne selber noch recht zweideutig daher, lässt dessen Titel Chickens - der übersetzt sowohl Hühnchen als auch ein ernsthaftes Defizit an Mut bedeutet – unmittelbar an den sprichwörtlichen Hühnerhof mit seinen impulsgesteuerten Bewohnern denken. Hier offenbart sich der wunderbare Mangel des Künstlers an einem traditionellen Sinn für Angemessenheit. Getreu der Aufgabe eines mittelalterlichen Narren kratzt Agirregoikoa lässig am Selbstverständnis der Mächtigen in dieser Welt, indem er ein paar weit verbreitete Symbole aufgreift und sie in seinen Arbeiten voll beunruhigender Querverweise zwischen Text und Bild dekonstruiert. Dazu meint der Künstler, dass “das Reale uns ständig trifft und Kunst ein Weg ist, den Kummer, die Sorge ja die Qualen, die es hervorruft, zu verhandeln und mit ihnen klar zu kommen.”

NÄCHSTE FLAGGEN