Esperanto

NELSON PERNISCO / FRA

*1993, lebt und arbeitet in Paris

In einer Zeit, in der die Natur als Ergänzung zum Leben der Gesellschaft angesehen wurde, bestand die Aufgabe des Künstlers darin, jene Bilder aus der Geschichte und der Vorstellungskraft auszuwählen, die beim Betrachter verschiedene erwünschte Reaktionen hervorriefen - eines davon war sublimer Schrecken oder zumindest ein erfürchtiges Erschauern. Die Frage war: „Was ist das Gesetz des Geistes, nach dem im wirklichen Leben die Ausübung der Vorstellungskraft angeregt wird, und wie kann der Künstler in den verschiedenen bildenden Künsten diese wichtige Übung der Vorstellungskraft wecken und Objekte einfachen und gemeinsamen Vergnügens zu Objekten der Schönheit oder Erhabenheit erheben? “ (Archibald Alison, Essays on Nature and Principiles of Taste, 1790).


Nelson Pernisco bedient sich des Feuers als eines Agens, das Bestehendes ändert und wirft Molotow-Cocktails auf leere Demonstrationsplakate, wo ihr Aufprall und Explosion Spuren von fast zarter Schönheit hinterlässt. Die Flagge wird so zum Keim einer erhabenen Idee, die eschatologische Dimensionen bietet. In diesem Sinne kann Perniscos Flaggendesign als persönlicher Kommentar zum gegenseitigen Unverständnis inmitten allgegenwärtiger Gewalt im globalen Status quo gelesen werden. Zumindest impliziert dies der Titel.


Generell ist die Ästhetik des Künstlers trocken und in gewisser Weise brutal. Er setzt auf das Verwenden einfacher, recycelter Materialien, die er als Fragmente einer Welt präsentiert, die möglicherweise bereits in Trümmern liegt oder – positiv - sich eventuell im immerwährendem Aufbau befindet. Zwischen Utopie und Dystopie, Pflanzenreich und postindustrieller Ästhetik gelingt Pernisco mit seiner Arbeit vorübergehend die Neubesetzungen eigentlich anders konnotierter Gebiete. Seine Vorliebe für verbrannte Materialien, für die Kompression von Gegenständen und chaotischen Kompositionen ist im Grunde eine Form negativer Plastizität – in der die ursprünglichen Formen gelöscht oder zerstört werden. Von Pulverspuren bis zu Molotow-Cocktails, von verbranntem Industrieabfall bis zu entleerten Formen verwendet Nelson Pernisco die formale Sprache des Bombenangriffs und wendet sie auf Volumen und Räume an, während er diese angsterfüllte Vision mit einem Hauch von Humor entschärft. Diese ironische Distanz steht im Gegensatz zur Poesie der Titel - Ausdruck der Melancholie angesichts einer zerfallenden Welt.

NÄCHSTE FLAGGEN