the sun never sets

PAUL MCDEVITT / GB

*1972, lebt und arbeitet in Berlin

Das prätentiöse Sprichwort "Die Sonne geht nie unter im britischen Imperium" wurde verwendet, um den riesigen Einflussbereich zu beschreiben, den die Briten errichtete, indem sie im Wesentlichen um die Welt segelten und Flaggen in Strände steckten, die bereits von anderen Menschen bevölkert waren. Trotz der Tatsache, dass dieses Reich im 20. Jahrhundert weitgehend zerfiel, ist die Sonne dort überraschenderweise noch immer nicht untergegangen. Noch heute besitzt Großbritannien 14 Gebiete wie die Cayman- oder die berüchtigten Pitcairninseln mit seinen wenigen Dutzend Einwohnern, allesamt Nachkommen der Meuterer der HMS Bounty. Das ewige Tageslicht wird also tatsächlich so lange anhalten, bis einer dieser winzigen Orte die Union verlässt oder eine Sonnenfinsternis erlebt. Die Flagge von Paul McDevitt mit ihren verzerrten Sonnenstrahlen scheint genau das zu reflektieren, erinnert sie doch an einen Union Jack, der wie die Sonne im Meer versinkt. Als britischer Künstler in dem Projekt Showing True Colour sah McDevitt keine Möglichkeit, das Thema Brexit zu vermeiden. Daraus ergibt sich eine Möglichkeit, die Flagge zu interpretieren. Als Symbol eines Staates, der kurz vor dem Verlassen der Europäischen Union steht, aus Gründen, die sich als reine Hybris herausstellen könnten.

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