Perfect Society

ROMAN ONDAK / SVK

*1966, lebt und arbeitet in Bratislava

Ohne Zweifel muss man Ondak als einen Realisten bezeichnen, der seine Kunst aus dem Alltäglichen ableitet, um sie dann dort wieder einzuschleusen. Dahinter steht nicht zuletzt sein Wunsch, „die Vorstellung vom Künstler als einer romantischen Figur zu dekonstruieren“. In seinem Beitrag für Flagge zeigen tritt uns Ondak dann auch als pragmatischer Hausbesitzer entgegen, der direkt wiederverwertet, was bei anstehenden Reparaturen an Altmaterial anfällt. Dessen Metamorphose vom Metallschrott zum Kunstwerk ist komplexer und vor allem mühsamer als es zunächst erscheint. Die Kupferrohre, aus denen dieses Stück besteht, stammen aus dem Haus des Künstlers in Bratislava und dienten als Zentralheizung. Als diese sich als defekt erwiesen und ausgewechselt werden mussten, unterzog der Künstler sie einem mühsamen Vorgang, bei dem Tausende von fast gleich langen Stücken geschnitten wurden. Anschließend entwickelte er eine neue Ordnung und einen neuen Zweck für sie. Für Perfect Society arrangiert Ondak die geraden Rohrabschnitte in einem nahezu perfekten Kreis, der hierarchisch organisiert ist, wobei diejenigen mit größerem Durchmesser in der Mitte gruppiert sind, während sich die kleineren der Größe nach zu den Rändern hin verschieben. Die gebogenen Rohrstücke bilden einen Rand um den Kreis. Die Struktur in der Mitte bleibt intakt.


Der Titel Perfect Society weist darauf hin, dass dieses Stück als Allegorie einer sozialen und politischen Ordnung gelesen werden kann. Während die äußere Gleichförmigkeit und Schönheit der polierten Rohrstücke und Muffen auf eine funktionale, fast „perfekte“ Utopie hindeuten könnte, rufen die Spuren von Unordnung an ihren Rändern Vorstellungen von Unterdrückung, Dysfunktionalität oder strukturellem Verfall hervor. Das zuvor dreidimensionale Netzwerk der Rohre, die einst Wärme durch die Räume des Künstlerhauses transportierten, wurde hier dergestalt neu geordnet, dass die Vorstellung von Bienenwaben oder Sonnenblumen nahe liegt. Bienen und Blumen wiederum sind Metaphern für Energie – für die Wärme, die in einem Bienenstock und von der Sonne erzeugt wird. Vor allem aber stehen sie für Modelle sozialer Interaktion, bei der jeder Teil zum Wohl des Ganzen beiträgt.

NÄCHSTE FLAGGEN